Jahreshauptversammlung

08.11.2017 13:15

Selbstbestimmung braucht viel Zeit füreinander
Die Jahreshauptversammlung der Lebenshilfe Ostallgäu stand ganz im Zeichen des Jahresthemas „selbstverständlich selbstbestimmt“

Langweilige Versammlungen, bei denen die Mitglieder nichts verstehen, das muss nicht sein. „Das darf, bei einem Verein wie unserem, auch nicht, sein“, sagt Hans Raabe, 1. Vorsitzen­der der Lebenshilfe Ostallgäu. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe ist der größte Selbsthilfeverband Deutschlands. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, müssen auch die Mitglieder mit intellektuellen Einschränkungen verstehen, worum es in der Versammlung geht. Und es geht nicht mit stundenlangen Vorträgen und formellen Berichten.

Der Vorstand der Lebenshilfe Ostallgäu hat sich für die diesjährige Versammlung ein neues Konzept ausgedacht: Die Moderation übernahmen Thomas Garmatsch, der Leiter der Kulturwerkstatt, und Miriam Dornacher, Beschäftigte der Wertachtal-Werkstätten, im Tandem. Mit gezielten Fragen an den Vorstand und die Geschäftsführung führten sie durch die wesentlichen Ereignisse des vergangenen Jahres.

Das Thema Selbstbestimmung wird uns mit Sicherheit noch die nächsten Jahre beschäftigen

Zunächst ging es um das Thema Jahresthema Selbstbestimmung. Die Lebenshilfe hat sich vorgenommen, in ihren Einrichtungen die Selbstbestimmungsmöglichkeiten ihrer Klienten zu stärken. Für Geschäftsführerin Claudia Kintrup ist Selbstbestimmung „das Thema, das uns die nächsten Jahre beschäftigen wird.“ Allen ist klar, dass es hier keine einfachen Lösungen gibt und man ganz genau hinschauen muss, um weder zu bevormunden noch zu überfordern.

Der Vorstand legte im zweiten Block den Fokus auf die Stärkung des Vereinslebens. Die Lebenshilfe hat, wie viele andere Vereine auch, stark mit der demografischen Entwicklung zu kämpfen. Durch gezielte Angebote für Mitglieder und die Möglichkeit, selbst mitbestimmen zu können, soll das Engagement gestärkt werden, so der 2. Vorsitzende Wolfgang Neumayer.

Natürlich dürfen bei einer Versammlung auch die Zahlen nicht fehlen: Geschäftsführer Klaus Prestele präsentierte eine durchweg positive Bilanz. Umsatz und Mitarbeiterzahl der Lebenshilfe seien im letzten Jahr um 5% gestiegen und so sieht sich der Verein gut gerüstet für die Herausforderungen der nächsten Jahre.

Die älter werdende Gesellschaft ist auch eine Herausforderung für die Lebenshilfe

Diese ergeben sich ebenfalls aus der sich verändernden Altersstruktur. Mehr und neue selbstbestimmte Angebote für Menschen mit Behinderung, die ins Rentenalter kommen, müssen entwickelt und vorgehalten werden. Ein anderes wichtiges Thema ist die Öffnung der Lebenshilfe im Sinne der Inklusion. Dazu soll die neue, zentrumsnahe Außenstelle im Ringweg beitragen. „Die Themen der Lebenshilfe, können dadurch näher an die breite Bevölkerung gebracht werden“, freut sich Ralf Grath vom Geschäftsführungsteam. Außerdem will sich die Lebenshilfe stärker mit Vereinen und Kulturanbietern in der Region vernetzen. Die Jahrelange Zusammenarbeit mit der Kulturwerkstatt wird durch eine Projektstelle intensiviert und gleichzeitig für andere Kulturanbieter geöffnet.

Wie gut die Zusammenarbeit klappt, konnte man am Moderationsteam Garmatsch/Dornacher sehen. „Aber“, betonte Thomas Garmatsch zum Schluss, „das ist kein Selbstläufer. Selbstbestimmung braucht Zeit, viel Zeit, miteinander und füreinander.“

Bevor es zum informellen Teil überging, präsentierte Roland Haag noch das Projekt der Wertachtal-Werkstätten für Menschen mit erworbener Hirnschädigung (MeH). Für diese Gruppierung mit ganz besonderen Voraussetzungen, "alle hatten bereits ein Leben vor der Behinderung", gab es viele Jahre kaum passende Angebote.
Die vor einem Jahr eröffnete Gruppe in der Porschestraße 19 begegnet diesem Defizit mit einem neurologisch und pädagogisch speziell angepassten Konzept. "Die Menschen brauchen Herausforderungen, können sich aber zum Beispiel oft nicht lange konzentrieren", berichtet Haag. Das stellt besondere Anforderungen an die Arbeitsaufträge. Schwerpunkt ist im MeH-Bereich die Arbeit mit gebrauchten Büchern und anderen Medien. Zum Teil werden sie online weiterverkauft, zum Teil Material für kreatives Gestalten.
Zum Schluss der Versammlung erhielt jeder Teilnehmer eine kunstvoll gefaltete Blume.

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