Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Heimlich

02.10.2014 07:06

Vom inklusiven Unterricht zur inklusiven Schule
Im Rahmen des Programms zum 50-jährigen Bestehen der Lebenshilfe Ostallgäu hielt Professor Dr. Ulrich Heimlich einen Vortrag mit dem Thema »Vom inklusiven Unterricht zur inklusiven Schule« in der Mittelschule Buchloe. Rund 150 Zuhörer waren gekommen, um ihn zu hören und mit ihm zu diskutieren. Heimlich ist Professor für Pädagogik an der Universität München und Autor mehrerer Bücher zum Thema Inklusion.
In seinem Vortrag ging er auf viele fachliche Fragestellungen und Details zum inklusiven Unterricht ein. Er machte klar, dass man dabei keinesfalls erst am Anfang stehe. Bereits seit Jahrzehnten gebe es Forschungen und Erkenntnisse darüber, wie ein Unterricht für Klassen mit unterschiedlichem Lernniveau gestaltet werden kann. Inklusion, so Heimlich, ist ein Thema für alle Menschen. Sie betreffe viele Fragen unseres Zusammenlebens, wie etwa Menschenbild oder Demokratieverständnis. Letztlich helfe eine inklusive Gesellschaft allen Menschen.
Für viele sei es schwer sich vorzustellen, wie Kinder mit und ohne Behinderung gleichzeitig beschult werden können. Es gebe dafür aber gute und bereits bewährte Konzepte, wie er anhand einiger Beispiele auch zeigen konnte. Maßgeblich für das Gelingen seien aber förderliche Rahmenbedingungen und gut ausgebildetes Lehrpersonal.
Heimlich bemängelte in diesem Zusammenhang, dass der Umfang der sonderpädagogischen Förderung in der Regelschule immer noch deutlich niedriger sei, als in der Förderschule. Besonders wichtig sei für ihn eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern, die leider nicht immer als Partner verstanden werden.
Mit einem Überblick über ein von ihm erarbeiteten Konzept zeigte er einen Weg zur Verwirklichung der inklusiven Schule auf. Viele »heilige Kühe« müssten aber noch geschlachtet werden, bis das flächendeckend möglich sei. Denn es sei erwiesen, dass so manches, was in Schulen praktiziert werde, pädagogisch nicht sinnvoll sei. Als Beispiele nannte er Sitzenbleiben und Noten. Er plädierte dafür, den langen Weg zur Inklusion mit Gelassenheit zu gehen. Extreme Positionen oder Forderungen seien nach seiner Überzeugung nicht hilfreich.
In der lebhaften und ausführlichen Diskussion wurden eine ganze Reihe weitere Aspekte angesprochen. So wurde zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen Regel- und Förderschulsystem kritisiert, die nach Ansicht einer Teilnehmerin häufig nicht gut funktioniere. Mehrfach wurde auf die Situation von Lehrkräften hingewiesen, die sich oft überfordert fühlten und sich mehr Fortbildungen und bessere Bedingungen wünschten. Prof Heimlich bedauerte, dass es noch immer nicht selbstverständlich sei, dass überall an den Hochschulen die neuesten Erkenntnisse zum inklusiven Unterricht gelehrt werden.
Die Diskussion zeigte auch, dass viele Eltern nicht behinderter Kinder Ängste und Sorgen haben, ob ihre Kinder nicht benachteiligt würden. Leider, so ein Teilnehmer, trauten sich Menschen, die der Inklusion skeptisch gegenüber stehen, häufig nicht, offen ihre Meinung zu sagen. Das schade einer offenen Weiterentwicklung.
Schulbegleitungen könnten nach Professor Heimlich zwar hilfreich sein. Es gebe aber häufig Probleme, zumal die Fachlichkeit oft zu gering sei. Schulbegleiter seien lediglich als ein Baustein in einer Übergangszeit zu sehen.
Am Schluss der Veranstaltung wünschte sich Wolfgang Neumayer von der Geschäftsleitung der Lebenshilfe, dass der Abend einen kleinen Beitrag zur Weiterentwicklung der Inklusion in unserer Region leisten konnte.
Professor Heimlich wurde mit großem Applaus bedankt.

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